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TippStelle @Düsseldorf 05.09.2017

Der TippStellen-Tag in Düsseldorf geht anders an als die vorherigen Stationen des Schreibprojektes. Morgens arbeite ich noch, Tisch, Stuhl, Schreibmaschine schon im ältesten und vollgetanktesten Astra F der westlichen Welt. Mittags geht es dann auf die Piste, zunächst zum Park und Ride in Millrath. Lerne dabei, dass Düsseldorf quasi schon in Wuppertal liegt, TippStelle vermittelt eben auch geographische Details. Nächstes Lernfaktum: die App der Bahn kann zwar Regionalfahrkarten aufs Handy zaubern, nicht aber sinnvolle Bahnverbindungen. Der Park und Ride – Parkplatz liegt direkt an der S-Bahn, die unmittelbar zum Hauptbahnhof Düsseldorf fährt. Die App empfiehlt unbeirrt zunächst den Bus nach Sonstwo-Rath und dann noch zwei weitere ebenso unnötige Umsteigungen. Nach kurzer Verwirrung missachtet der Schreiberling die Bahn-App und fährt wie ihm der Schnabel gewachsen. Und das ist auch gut so.

In Düsseldorf geht es zur Heinrich-Heine-Allee, das ist schon Altstadt, Ziel ist die Andreasstraße mit dem Dominikanerkonvent St. Joseph, wo mich Bruder Irinäus schon erwartet. Ich lerne, dass Düsseldorf nicht Köln ist, denn in Köln darf ich an öffentlichen Orten Straßenkunst betreiben, jeweils eine halbe Stunde. In Düsseldorf darf ich gar nichts ohne amtliches Papier. Dominikanern sei dank, die Treppenanlage des Konvents ist Dominikanerbesitz und ich darf meine TippStelle dort aufbauen, mitten in der Altstadt, wunderbarer Blick auf die Barockkirche St. Andreas und das Kommödchen. Zwei Dinge sind schnell klar: dies hier ist Großstadt, ein sehr bunter Publikumsmix. Und: der Düsseldorfer ist neugierig, offen und bemerkenswert interessiert. Ich habe sehr viel Freude, bin im Gespräch. Die dazwischen freibleibende Zeit bis zum dann doch beginnenden leichten Regen reicht für einige Textskizzen. Aber ich habe ja noch „Höheres“ im Sinn.

Bruder Irinäus begleitet mich mit dem wichtigen Hauptschlüssel Treppe um Treppe, an der Orgelempore vorbei, bis hoch unter das Dach von Sankt Andreas. Ein riesiger Raum. Oberhalb der freiliegenden Gewölbekappen ein Geflecht von Holzlattengängen, die den Raum begehbar machen. Ich postiere die TippStelle zentral, neben dem Glockenturm, mit einem guten Blick in den Raum. Bruder Irinäus warnt vor dem Glockengeläut in zwei Stunden, das zum Abendgottesdienst rufen wird. Ich merke mir, vor der Ertaubung um 17.45 Uhr vorsorglich den Raum zu verlassen. Bruder Irinäus geht, ich bleibe. Ich mache mich mit dem Raum vertraut, zwei Fenster auf. Licht, Luft, Schreibmaschine, komplett. Die Bürozeit beginnt, das Textfragment ruft. Heute ist Gabriele schlecht gelaunt, sie hakt hier und da. Aber es läuft. Dann tritt der TippStellen-Effekt ein. Das Testfragment bockt, lockt, lohnt. Erfordert Meißelei, Streichungen, Umdenken. Die Zeit saust. Um 17.30 Uhr bin ich fast im Streß. Den kleinen Text konnte ich bezwingen, sogar mit einem Augenzwinkern abschließen. Aber ich möchte ihn noch für die Dominikaner ins Reine tippen, aufräumen, TippStelle zusammenfalten, vor der Glockenertaubung fliehen.. Doch es passt. Das Geläut im Glockenturm ist dann auch doch gar nicht so arg.

Unten vor der Kirchen komme ich noch mit Bruder Irinäus ins plaudern, dann begebe ich mich auf den Rückweg. Ein wenig müde, aber sehr dankbar.

Bild: A. Fischer